Wit and its relation to the unconscious — Sigmund Freud
DER WITZ UND SEINE BEZIEHUNG ZUM UNBEWUSSTEN You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org . If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook. Title : Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten Author : Sigmund Freud Release date : July 1, 2025 [eBook #76423] Language : German Original publication : Leipzig: Franz Deuticke, 1912 Other information and formats : www.gutenberg.org/ebooks/76423 Credits : Jana Srna and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net *** START OF Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert. Seitenüberschriften des Originals wurden in Form von Randbemerkungen in die vorliegende Ausgabe übernommen; diese wurden an den Beginn der betreffenden Passage gesetzt. Der Übersichtlichkeit halber wurden alle Buchanzeigen am Ende des Texts zusammengefasst. Abhängig von der im jeweiligen Lesegerät installierten Schriftart können die im Original gesperrt gedruckten Passagen gesperrt, in serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt erscheinen. DER WITZ UND SEINE BEZIEHUNG ZUM UNBEWUSSTEN VON PROF. DR. SIGM. FREUD IN WIEN ZWEITE AUFLAGE LEIPZIG UND WIEN FRANZ DEUTICKE 1912 Verlags-Nr. 1959. K. u. K. Hofbuchdruckerei Karl Prochaska in Teschen. Inhaltsverzeichnis. Inhaltsverzeichnis. Seite A. Analytischer Teil. I. Einleitung 1 II. Die Technik des Witzes 8 III. Die Tendenzen des Witzes 75 B. Synthetischer Teil. IV. Der Lustmechanismus und die Psychogenese des Witzes 100 V. Die Motive des Witzes. — Der Witz als sozialer Vorgang 120 C. Theoretischer Teil. VI. Die Beziehung des Witzes zum Traum und zum Unbewußten 137 VII. Der Witz und die Arten des Komischen 157 A. Analytischer Teil. Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. A. Analytischer Teil. I. Einleitung. W er einmal Anlaß gehabt hat, sich in der Literatur bei Ästhetikern und Psychologen zu erkundigen, welche Aufklärung über Wesen und Beziehungen des Witzes gegeben werden kann, der wird wohl zugestehen müssen, daß die philosophische Bemühung dem Witz lange nicht in dem Maße zu teil geworden ist, welches er durch seine Rolle in unserem Geistesleben verdient. Man kann nur eine geringe Anzahl von Denkern nennen, die sich eingehender mit den Problemen des Witzes beschäftigt haben. Allerdings finden sich unter den Bearbeitern des Witzes die glänzenden Namen des Dichters Jean Paul ( Fr. Richter ) und der Philosophen Th. Vischer , Kuno Fischer und Th. Lipps ; aber auch bei diesen Autoren steht das Thema des Witzes im Hintergrunde, während das Hauptinteresse der Untersuchung dem umfassenderen und anziehenderen Probleme des Komischen zugewendet ist. Man gewinnt aus der Literatur zunächst den Eindruck, als sei es völlig untunlich, den Witz anders als im Zusammenhange mit dem Komischen zu behandeln. Nach Th. Lipps (Komik und Humor, 1898) [1] ist der Witz „die durchaus subjektive Komik“, d. h. die Komik, „die wir hervorbringen, die an unserem Tun als solchem haftet, zu der wir uns durchwegs als darüberstehendes Subjekt, niemals als Objekt, auch nicht als freiwilliges Objekt verhalten“ (S. 80). Erläuternd hiezu die Bemerkung: Witz heiße überhaupt „jedes bewußte und geschickte Hervorrufen der Komik, sei es der Komik der Anschauung oder der Situation“ (S. 78). K. Fischer erläutert die Beziehung des Witzes zum Komischen mit Beihilfe der in seiner Darstellung zwischen beide eingeschobenen Karikatur. (Über den Witz, 1889.) Gegenstand der Komik ist das Häßliche in irgend einer seiner Erscheinungsformen: „Wo es verdeckt ist, muß es im Licht der komischen Betrachtung entdeckt, wo es wenig oder kaum bemerkt wird, muß es hervorgeholt und so verdeutlicht werden, daß es klar und offen am Tage liegt.... So entsteht die Karikatur“ (S. 45). — „Unsere ganze geistige Welt, das intellektuelle Reich unserer Gedanken und Vorstellungen, entfaltet sich nicht vor dem Blicke der äußeren Betrachtung, läßt sich nicht unmittelbar bildlich und anschaulich vorstellen und enthält doch auch seine Hemmungen, Gebrechen, Verunstaltungen, eine Fülle des Lächerlichen und der komischen Kontraste. Diese hervorzuheben und der ästhetischen Betrachtung zugänglich zu machen, wird eine Kraft nötig sein, welche im stande ist, nicht bloß Objekte unmittelbar vorzustellen, sondern auf diese Vorstellungen selbst zu reflektieren und sie zu verdeutlichen: eine gedankenerhellende Kraft. Diese Kraft ist allein das Urteil . Das Urteil, welches den komischen Kontrast erzeugt, ist der Witz , er hat im stillen schon in der Karikatur mitgespielt, aber erst im Urteil erreicht er seine eigentümliche Form und das freie Gebiet seiner Entfaltung“ (S. 49). Wie man sieht, verlegt Lipps den Charakter, welcher den Witz innerhalb des Komischen auszeichnet, in die Betätigung, in das aktive Verhalten des Subjekts, während K. Fischer den Witz durch die Beziehung zu seinem Gegenstand, als welcher das verborgene Häßliche der Gedankenwelt gelten soll, kennzeichnet. Man kann diese Definitionen des Witzes nicht auf ihre Triftigkeit prüfen, ja man kann sie kaum verstehen, wenn man sie nicht in den Zusammenhang einfügt, aus dem gerissen sie hier erscheinen, und man stände so vor der Nötigung, sich durch die Darstellungen des Komischen bei den Autoren hindurch zu arbeiten, um von ihnen etwas über den Witz zu erfahren. Indes wird man an anderen Stellen gewahr, daß dieselben Autoren auch wesentliche und allgemein gültige Charaktere des Witzes anzugeben wissen, bei welchen von dessen Beziehung zum Komischen abgesehen ist. Darstellung des Witzes bei den Autoren. Die Kennzeichnung des Witzes bei K. Fischer , die den Autor selbst am besten zu befriedigen scheint, lautet: Der Witz ist ein spielendes Urteil (S. 51). Zur Erläute