壊れた甕 — ハインリヒ・フォン・クライスト
Titelseite Der zerbrochne Krug Über Der zerbrochne Krug Über Der zerbrochne Krug Heinrich von Kleist Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1997 Exportiert aus Wikisource am 9. Mai 2026 Einführung Während einer Gerichtsverhandlung muss Dorfrichter Adam einen verzwickten Fall aufklären: Ein Prachtkrug im Hause der Frau Marthe Rull wurde zerstört; der Täter war der Richter selbst. Das von Kleist als Lustspiel bezeichnete Stück entstand in den Jahren 1802-1806 und wurde am 2. März 1808 im Weimarer Hoftheater unter der Regie von Johann Wolfgang von Goethe uraufgeführt. Die Inszenierung fiel durch, und der Text wurde im gleichen Jahr nur auszugsweise in der von Kleist herausgegebenen Kunstzeitschrift Phöbus abgedruckt. Den Erstdruck des gesamten Stücks besorgte schließlich 1811 der Berliner Verleger Georg Andreas Reimer in seiner Realschulbuchhandlung. Der Ausgabe bei Wikisource liegt ein textgleicher Nachdruck in der DTV Bibliothek der Erstausgaben von 1997 zugrunde. Editionsrichtlinien Die Editionsrichtlinien beruhen auf Wikisource:Editionsrichtlinien Redner werden groß und fett geschrieben Regieanweisungen sind kursiv gesetzt Die Rechtschreibung des Originals wurde beibehalten Text [ 7 ] Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel, von Heinrich von Kleist. Berlin. In der Realschulbuchhandlung. 1811. [ 8 ] PERSONEN. WALTER , Gerichtsrath. ADAM , Dorfrichter. LICHT , Schreiber. FRAU MARTHE RULL. EVE , ihre Tochter. VEIT TÜMPEL , ein Bauer. RUPRECHT , sein Sohn. FRAU BRIGITTE . EIN BEDIENTER, BÜTTEL, MÄGDE, etc. Die Handlung spielt in einem niederländischen Dorfe bei Utrecht. [ 9 ] Scene: Die Gerichtsstube. Erster Auftritt. Erster Auftritt. ADAM (sitzt und verbindet sich ein Bein). LICHT (tritt auf). LICHT. Ei, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam! Was ist mit euch geschehn? Wie seht ihr aus? ADAM. Ja, seht. Zum Straucheln braucht’s doch nichts, als Füße. Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier? Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt Den leid’gen Stein zum Anstoß in sich selbst. LICHT. Nein, sagt mir, Freund! Den Stein trüg’ jeglicher –? ADAM. Ja, in sich selbst! | 6 | LICHT. Verflucht das! ADAM. Was beliebt? [ 10 ] LICHT. Ihr stammt von einem lockern Aeltervater, Der so beim Anbeginn der Dinge fiel, Und wegen seines Falls berühmt geworden; Ihr seid doch nicht –? ADAM. Nun? LICHT. Gleichfalls –? ADAM. Ob ich –? Ich glaube –? Hier bin ich hingefallen, sag ich euch. LICHT. Unbildlich hingeschlagen? ADAM. Ja, unbildlich. Es mag ein schlechtes Bild gewesen sein. LICHT. Wann trug sich die Begebenheit denn zu? ADAM. Jetzt, in dem Augenblick, da ich dem Bett’ Entsteig’. Ich hatte noch das Morgenlied | 7 | Im Mund’, da stolpr’ ich in den Morgen schon, Und eh’ ich noch den Lauf des Tags beginne, [ 11 ] Renkt unser Herrgott mir den Fuß schon aus. LICHT. Und wohl den linken obenein? ADAM. Den linken? LICHT. Hier, den gesetzten? ADAM. Freilich! LICHT. Allgerechter! Der ohnhin schwer den Weg der Sünde wandelt. ADAM. Der Fuß! Was! Schwer! Warum? LICHT. Der Klumpfuß? ADAM. Klumpfuß! Ein Fuß ist, wie der andere, ein Klumpen. LICHT. Erlaubt! Da thut ihr eurem rechten Unrecht. Der rechte kann sich dieser – Wucht nicht rühmen, [ 12 ] Und wagt sich eh’r auf’s Schlüpfrige. | 8 | ADAM. Ach, was! Wo sich der Eine hinwagt, folgt der Andre. LICHT. Und was hat das Gesicht euch so verrenkt? ADAM. Mir das Gesicht? LICHT. Wie? Davon wißt ihr nichts? ADAM. Ich müßt’ ein Lügner sein – wie sieht’s denn aus? LICHT. Wie’s aussieht? ADAM. Ja, Gevatterchen. LICHT. Abscheulich! ADAM. Erklärt euch deutlicher. [ 13 ] LICHT. Geschunden ist’s, Ein Gräul zu sehn. Ein Stück fehlt von der Wange, Wie groß? Nicht ohne Waage kann ich’s schätzen. ADAM. Den Teufel auch! | 9 | LICHT. (bringt einen Spiegel). Hier! Ueberzeugt euch selbst! Ein Schaaf, das, eingehetzt von Hunden, sich Durch Dornen drängt, läßt nicht mehr Wolle sitzen, Als ihr, Gott weiß wo? Fleisch habt sitzen lassen. ADAM. Hm! Ja! S’ ist wahr. Unlieblich sieht es aus. Die Nas’ hat auch gelitten. LICHT. Und das Auge. ADAM. Das Auge nicht, Gevatter. LICHT. Ei, hier liegt Querfeld ein Schlag, blutrünstig, straf mich Gott, Als hätt’ ein Großknecht wüthend ihn geführt. ADAM. Das ist der Augenknochen. – Ja, nun seht, [ 14 ] Das Alles hatt’ ich nicht einmal gespürt. LICHT. Ja, ja! So geht’s im Feuer des Gefechts. ADAM. Gefecht! Was! – Mit dem verfluchten Ziegenbock, Am Ofen focht’ ich, wenn ihr wollt. Jetzt weiß’ ich’s. Da ich das Gleichgewicht verlier, und gleichsam Ertrunken in den Lüften um mich greife, | 10 | Fass’ ich die Hosen, die ich gestern Abend Durchnäßt an das Gestell des Ofens hing. Nun fass ich sie, versteht ihr, denke mich, Ich Thor, daran zu halten, und nun reißt Der Bund; Bund jetzt und Hos’ und ich, wir stürzen, Und Häuptlings mit dem Stirnblatt schmettr’ ich auf Den Ofen hin, just wo ein Ziegenbock Die Nase an der Ecke vorgestreckt. LICHT (lacht). Gut, gut. ADAM. Verdammt! LICHT. Der erste Adamsfall, Den ihr aus einem Bett hinaus gethan. ADAM. Mein Seel! – Doch, was ich sagen wollte, was giebts Neues? [ 15 ] LICHT. Ja, was es Neues giebt! Der Henker hol’s, Hätt’ ich’s doch bald vergessen. ADAM. Nun? LICHT. Macht euch bereit auf unerwarteten Besuch aus Utrecht. | 11 | ADAM. So? LICHT. Der Herr Gerichtsrath kömmt. ADAM. Wer kömmt? LICHT. Der Herr Gerichtsrath Walter kömmt, aus Utrecht. Er ist in Revisions-Bereisung auf den Aemtern, Und heut noch trifft er bei uns ein. ADAM. Noch heut! Seid ihr bei Trost? LICHT. So wahr ich lebe. Er war in Holla, auf dem Gränzdorf, gestern, [ 16 ] Hat das Justizamt dort schon revidirt. Ein Bauer sah zur Fahrt nach Huisum schon Die Vorspannpferde vor den Wagen schirren. ADAM. Heut noch, er, der Gerichtsrath, her, aus Utrecht! Zur Revision, der wackre Mann, der selbst Sein Schäfchen schiert, dergleichen Fratzen haßt. Nach Huisum kommen, und uns cujoniren! LICHT. Kam er bis Holla, kommt er auch bis Huisum. Nehmt euch in Acht. | 12 | ADAM. Ach geht! LICHT. Ich sag’ es euch. ADAM. Geht mir mit eurem Mährchen, sag’ ich euch. LICHT. Der Bau