Aesthetic Color Theory — Conrad Hermann
You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org . If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook. Title : Aesthetische Farbenlehre Author : Conrad Hermann Release date : February 19, 2018 [eBook #56606] Language : German Other information and formats : www.gutenberg.org/ebooks/56606 Credits : Produced by the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by SLUB: Sächsische Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek Dresden at http://www.slub-dresden.de ) *** START OF Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert; ungewöhnliche und altertümliche Ausdrücke bleiben gegenüber dem Original unverändert. Rechtschreibvarianten wurden nicht vereinheitlicht, sofern die Verständlichkeit des Textes dadurch nicht berührt wird. Im laufenden Text werden Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ü) mit ihren Umschreibungen dargestellt (Ae, Ue). Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter an den Anfang des Textes verschoben. AESTHETISCHE FARBENLEHRE von Conrad Hermann Professor. Leipzig. Verlag von Moritz Schäfer. 1876. Inhalt. Seite 1. Die Farbe als Wirklichkeit. 1 2. Was heisst Aesthetik? 8 3. Die Stellung der Aesthetik in dem Systeme der Philosophie. 15 4. Form und Materie des ästhetischen Erkennens. 26 5. Das empfindende und das denkende Erkennen der Seele. 33 6. Die Farbe und der Ton. 42 7. Das wissenschaftliche Prinzip der ästhetischen Farbenlehre. 49 8. Das System der allgemeinen Unterschiede der Farbe. 54 9. Farbe, Musik und Sprache. 62 10. Das allgemeine Gesetz der ästhetischen Form. 72 Vorwort. Man wird in dieser Schrift manches finden, was nicht unmittelbar auf die ästhetische Lehre von den Farben Bezug hat. Andererseits wird man vielleicht manches in ihr vermissen, was eigentlich mit hierhin zu gehören scheinen könnte. Es ist aber überall etwas Anderes, bestimmte gegebene Erwartungen zu befriedigen und selbst neue Aussichten oder Ziele des Erkennens zu eröffnen. Worauf sich meine Schrift bezieht, ist an sich allein die Frage nach dem ästhetischen Werth oder der empfindungsmässigen Bedeutung, welche die einzelnen Farben als solche für uns oder den menschlichen Geist zu besitzen scheinen. Auch hier handelt es sich hauptsächlich nur um die Bestimmung des wissenschaftlichen Verfahrens oder der ganzen Methode, an welche jede derartige Untersuchung mit Nothwendigkeit gebunden ist. Ich habe schon früher in meinem Grundriss einer allgemeinen Aesthetik die Lehre von den Farben als einen einzelnen Abschnitt behandelt und gebe jetzt derselben im Zusammenhang mit den allgemeinen Prinzipien alles ästhetisch-wissenschaftlichen Erkennens eine erweiterte und selbstständige Gestalt. Ich beabsichtige namentlich den Satz zur Anerkennung zu bringen, dass auch jede einzelne einfache sinnliche Wahrnehmung als solche, wie die einer Farbe, einen bestimmten eigenthümlichen Werth oder eine Bedeutung für unser empfindendes Erkennen besitze, und dass es ein geordnetes wissenschaftliches Verfahren gebe, durch welches dieser Werthinhalt festgestellt oder ermittelt werden könne. Alle allgemeinen ästhetischen Prinzipfragen aber hängen mehr oder weniger mit dieser Aufgabe zusammen, und es ist insofern zugleich ein Beitrag zur weiteren Ausbildung und wissenschaftlichen Vervollkommnung der Aesthetik im Sinne eines bestimmten und integrirenden Theiles der Philosophie, den ich hiermit zu geben versucht habe. 1. Die Farbe als Wirklichkeit und als Schein. An jede einzelne Farbe knüpft sich für die menschliche Seele irgend eine weitere Empfindungsvorstellung an. Es ist dieses eine an sich unbestreitbare Thatsache und es kann versucht werden, allen hierhin gehörigen Erscheinungen in wissenschaftlicher Weise nahe zu treten. Die Farbenlehre ist namentlich von Goethe und Schopenhauer zugleich mit unter dem ästhetischen Gesichtspunkt behandelt werden. Wir fassen sie lediglich von dieser letzteren Seite auf und versuchen zunächst unsern allgemeinen methodischen Standpunkt in Bezug auf die Bearbeitung dieses ganzen Gebietes zu begründen. Der wissenschaftliche Begriff von der Farbe ist zunächst ein anderer als die natürliche oder populäre Vorstellung des Menschen über dieselbe. Nach dieser letzteren erscheint uns die Farbe als etwas objectiv Gegebenes oder Reales an den äusseren Dingen selbst. Wir stellen uns in ihr gleichsam einen stofflichen Ueberzug oder ein Kleid vor, welches die ganzen weiteren Beschaffenheiten der Dinge verdeckt. Wir nennen sogar einen bestimmten Farbstoff, wie etwa den Zinnober, ohne Weiteres eine Farbe selbst. Wir bezeichnen eine bestimmte Sache als grün, roth u. s. f. und sehen hierin ganz ähnliche Eigenschaften oder Inhärenzen der Dinge selbst wie etwa darin, dass eine bestimmte Sache rund, viereckig, schwer, leicht u. s. w. ist. Anders aber ist der wissenschaftliche Begriff der Farbe. Die Wissenschaft tritt auch hier wie in so vielen anderen Fällen der unbefangenen oder natürlichen Vorstellungsweise des Menschen von den äusseren Dingen feindlich gegenüber; sie zerstört den Schein der unmittelbaren sinnlichen Anschauung und verändert hierdurch unsere ganze Auffassung der Welt. Der Mensch dachte sich die Welt noch anders als er glaubte, die Sonne und die ganzen Gestirne bewegten sich um die Erde als gegenwärtig, wo er weiss, dass er selbst mit seiner Erde nur ein abhängiges und von Aussen her bewegtes Atom im unendlichen Weltenraume ist. Die Zerstörung eines solchen sinnlichen Scheines ist nicht gerade immer angenehm und erfreulich für uns selbst; es hat aber auch der blosse Schein und die Illusion immer eine bestimmte Wahrheit und Berechtigung für uns und es darf versucht werden, das Berechtigte dieses Scheines neben der nothwendigen Anerkennung der Wahrheit der Wissenschaft festzuhalten und zu begründen. Wir werden uns durch alle Kopernikan