Masonic Dialogues — Gotthold Ephraim Lessing
You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org . If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook. Title : Gespräche für Freimaurer Author : Gotthold Ephraim Lessing Release date : November 1, 2005 [eBook #9326] Most recently updated: October 2, 2014 Language : German Other information and formats : www.gutenberg.org/ebooks/9326 Credits : Produced by Delphine Lettau and Gutenberg Projekt-DE *** START OF ERNST Aber du bist so still. FALK Eben darum. Wer dekt, wenne er geniesst? Und ich geniesse des erquickenden Morgens. ERNST Du hast recht; und du hättest mir meine Frage nur zurückgeben dürfen. FALK Wenn ich an etwas dächte, würde ich darüber sprechen. Nichts geht über das laut denken mit einem Freund. ERNST Gewiss. FALK Hast du des schönen Morgens schon genug genossen, fällt dir etwas ein: so sprich du Mir fällt nichts ein. ERNST Gut das!—Mir fällt ein, dass ich dich schon längst um tewas fragen wollen. FALK So frage doch. ERNST Ist es wahr, Freund, dass du ein Freimäurer bist? FALK Die Frage ist eines, der keiner ist. ERNST Freilich!—Aber antworte mir geradezu.—Bist du ein Freimäurer? FALK Ich glaube es zu sein. ERNST Die Antwort ist eines, der seiner Sache eben nicht gewiss ist. FALK O doch! Ich bin meiner Sache so ziemlich gewiss. ERNST Denn du wirst ja wohl wissen, ob und wenn und wo und von wem du aufgenommen worden. FALK Das weiss ich allerdings; aber das würde so viel nicht sagen wollen. ERNST Nicht? FALK Wer nimmt nicht auf, und wer wird nicht aufgenommen! ERNST Erkläre dich. FALK Ich glaube ein Freimäurer zu sein; nicht sowohl, weil ich von älteren Maurern in einer gesetzlichen Loge aufgenommen worden: sondern weil ich einsehe und erkenne, was und warum die Freimäurerei ist, wenn und wo sie gewesen, wie und wodurch sie befördet oder gehindert wird. ERNST Und drückst dich gleichwohl so zweifelhaft aus?—"Ich glaube einer zu sein!" FALK Dieses Ausdrücks bin ich nun so gewohnt. Nicht zwar, als ob ich Mangel an eigner Ueberzeugung hätte: sondern weil ich nicht gern mich jemanden gerade in den Weg stellen mag. ERNST Du antwortest mir als einem Fremden. FALK Fremder oder Freund! ERNST Du bist aufgenommen, du weisst alles. FALK Andere sind auch aufgenommen und glauben zu wissen. ERNST Könntest du denn aufgenommen sein, ohne zu wissen, was du weisst? FALK Leider! ERNST Wieso? FALK Weil viele, welche aufnehmen, es selbst nicht wissen, die wenigen aber, die es wissen, es nicht sagen können. ERNST Und könntest du denn wissen, was du weiszt, ohne aufgenommen zu sein? FALK Warum nicht?—Die Freimäurerei ist nichts Willkürliches, nichts Entbehrliches, sondern etwas Notwendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist. Folglich muss man auch durch eignes Nachdenken ebensowohl darauf verfallen können, als man durch Anleitung darauf geführet wird. ERNST Die Freimäurerei wäre nichts Willkürliches?—Hat sie nicht Worte und Zeichen und Gebräuche, welche alle anders sein könnten und folglich willkürlich sind? FALK Das hat sie. Aber diese Worte und diese Zeichen und Gebräuche sind nicht die Freimäurerei. ERNST Die Freimäurerei wäre nichts Entbehrliches?—Wie machten es denn die Menschen, als die Freimäurerei noch nicht war? FALK Die Freimäurerei war immer. ERNST Nun, was ist sie denn, diese notwendige, diese untentbehrliche Freimäurerei? FALK Wie ich dir schon zu verstehen gegeben: Etwas das selbst die, die es wissen, nicht sagen können. ERNST Also ein Unding. FALK Uebereile dich nicht. ERNST Wovon ich einen Begriff habe, das kann ich auch mit Worten ausdrücken. FALK Nicht immer; und oft wenigsten nicht so, dass andere durch Worte volkommen ebendenselben Begriff bekommen, den ich dabei habe. ERNST Wenn nicht vollkommen ebendenselben, doch einen etwanigen. FALK Der etwanige Begriff wäre hier unnütz oder gefährlich. Unnütz, wenn er nicht genug, und gefährlich, wenn er das geringste zu viel enthielte. ERNST Sonderbar! Da also selbst die Freimäurer, welche das Geheimnis ihres Ordens wissen, es nicht wörtlich mitteilen können, wie breiten sie denn gleichwohl ihren Orden aus? FALK Durch Taten. Sie lassen gute Männer und Jûnglinge, die sie ihres nähern Umgangs würdigen, ihre Taten vermuten, erraten, sehen, soweit sie zu sehen sind; diese finden Geschmack daran und tun ähnliche Taten. ERNST Taten? Taten der Freimäurer? Ich kenne keine andere als ihre Reden und Lieder, die meistenteils schöner gedruckt als gedacht und gesagt sind. FALK Das haben sie mit mehrern Reden und Liedern gemein. ERNST Oder soll ich das für ihre Taten nehmen, was sie in diesen Reden und Liedern von sich rühmen? FALK Wenn sie es nicht bloss von sich rühmen. ERNST Und was rühmen sie denn von sich?—Lauter Dinge, die man von jedem guten Menschen, von jedem rechschaffnen Bürger erwartet.—Sie sind so freundlich, so guttätig, so gehorsam, so voller Vaterlandsliebe! FALK Ist denn das nichts? ERNST Nichts!—um sich dadurch von andern Menschen auszusondern.—Wer soll das nicht sein? FALK Soll! ERNST Wer hat, dieses zu sein, nicht, auch ausser der Freimäurerei, Antrieb und Gelegenheit genug? FALK Aber doch in ihr und durch sie eine Antrieb mehr. ERNST Sage mir nichts von der Menge der Antriebe. Lieber einem einzigen Antriebe alle mögliche intensive Kraft gegeben!—Die menge solcher Antriebe ist wie die Menge der Räder in einer Maschine. Je mehr Räder: desto wandelbarer. FALK Ich kann dir das nicht widersprechen. ERNST Und was für einen Antrieb mehr!—Der alle andre Antriebe verkleinert, verd¨chtig macht! sich selbst für den stärksten und besten ausgibt! FALK Freund, sei billig!—Hyperbel, Quidproquo jener schalen Reden und Lieder! Proberwerk! Jüngerarbeit! ERNST Das will sagen: Bruder Redner ist ein Schwätzer. FALK Das will nur sagen: was Bruder Redner an den Freimäurern preiset, das sind nun freilich ihre Taten eben nicht. Denn Br